Zwei Monate im Kinderhospiz Sternenbrücke: Ein studentischer Erfahrungsbericht
Ich habe mich für das Praktikum in der Sternenbrücke entschieden, weil mich die Erzählungen eines Dozenten im Unterricht nicht mehr losgelassen haben. Er sprach mit einer Ruhe und Tiefe über diesen Ort, dass ich sofort gespürt habe: Dort passiert Pflege auf eine Art, die ich kennenlernen möchte. Zusätzlich tauschte ich mich mit einer Studentin aus, die zwei Jahre zuvor dort war. Ihre Begeisterung hat mich bestärkt. Und als klar war, dass im Rahmen des Programms nur dieses Kinderhospiz angeboten wird, wusste ich: Diese Chance möchte ich unbedingt nutzen.
Die Sternenbrücke hat mich vom ersten Moment an berührt. Es ist ein Haus, das Wärme ausstrahlt, bevor man überhaupt die Tür öffnet. Ein Ort, an dem Pflege nicht bei Diagnosen beginnt und nicht bei Routinen endet. Einen festen Tagesablauf, wie ich ihn aus dem Spital kenne, gibt es dort nicht. Der Tag richtet sich nach den Kindern – nach ihrem Tempo, ihren Bedürfnissen, ihren guten und ihren schweren Momenten. Manche bringen sogar einen eigenen Tagesplan mit, den wir gemeinsam umsetzen. Und manchmal bedeutet Pflege auch einfach: rausgehen, ein Eis essen, Tiere anschauen, den Wald riechen. Lebensqualität schenken, so gut es geht.
Ich durfte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit lebensverkürzenden Erkrankungen begleiten – ganz nah in der Pflege, beim Lagern oder in der medizinischen Versorgung, und manchmal leise im Hintergrund, wenn es darum ging, einfach da zu sein. Die Begegnungen mit den Familien waren intensiv und ehrlich. Ich habe ihre Sorgen gespürt, ihre Erschöpfung, ihre Hoffnung, ihre unglaubliche Stärke. Ich habe gelernt, wie viel Vertrauen in einem einzigen Blick liegen kann und wie wichtig es ist, Unsicherheiten nicht zu verstecken, sondern ihnen mit Offenheit zu begegnen.
Besonders berührt haben mich die stillen Momente: ein Kind, das sich entspannt, weil es sich sicher fühlt; ein Elternteil, der für einen Augenblick durchatmen kann; ein Teammitglied, das mit einem Satz die Stimmung im Raum verändert. Diese Momente haben mir gezeigt, wie kraftvoll Präsenz ist – und wie sehr Pflege Beziehung ist. Die interprofessionelle Zusammenarbeit hat mich beeindruckt: Pflege, Medizin, Psychologie, Sozialarbeit und Pädagogik greifen ineinander wie Zahnräder, die gemeinsam Halt geben.
Die Sternenbrücke hat mich verändert. Ich nehme eine tiefere Sensibilität mit zurück ans LUKS – für Zwischentöne, für das, was unausgesprochen bleibt, für die kleinen Zeichen, die so viel sagen. Ich habe verstanden, dass palliative Haltung kein theoretisches Konzept ist, sondern eine Art, Menschen zu begegnen: achtsam, respektvoll, mutig. Dieses Praktikum hat mich nicht nur fachlich bereichert, sondern auch als Mensch. Es hat mir gezeigt, wie viel Bedeutung in kleinen Gesten liegt und wie wertvoll es ist, Räume zu schaffen, in denen sich Menschen gehalten fühlen.
Auslandpraxiseinsätze bei XUND
Aus einem Praxiseinblick von Lehrpersonen im Jahr 2023 entwickelte sich eine wertvolle Kooperation: Das Kinderhospiz Sternenbrücke in Hamburg bietet interessierten Pflege HF Studierenden die Möglichkeit, Praktikumseinsätze vor Ort zu absolvieren. Inzwischen ist bereits die zweite Studierende aus dem Arbeitsfeld KJFF dort im Einsatz, eine weitere konnte das Kinderhospiz im Rahmen eines kürzeren Aufenthalts kennenlernen. Auch für 2027 kann XUND erneut einen Praktikumsplatz für KJFF-Studierende im Diplomjahr im Kinderhospiz Sternenbrücke anbieten.
Diese Einsätze fördern gezielt die Kompetenzentwicklung im Bereich der Kinderpalliativpflege und eröffnen zugleich neue fachliche und persönliche Perspektiven. Ein Auslandpraktikum stärkt insbesondere überfachliche Fähigkeiten wie Problemlösung, Reflexion und interkulturelles Verständnis. Die Studierenden kehren mit vielfältigen Erfahrungen, neuen Erkenntnissen und bleibenden Eindrücken zurück.
Finanziell unterstützt werden die Einsätze von Movetia, der nationalen Agentur für Austausch und Mobilität in der Bildung.
Du interessierst dich für einen Auslandpraxiseinsatz? XUND unterstützt dich bei der Suche einer Gastinstitution, klärt gemeinsam mit dir und deinem Betrieb die Rahmenbedingungen und begleitet dich während deines Einsatzes. Alle Informationen dazu befinden sich im Merkblatt für Auslandspraktika.






